TÜV hatta Hotte heute!

Und wieder einmal war es ein besonderes Erlebnis, wie hart bei den Prüfstellen die derzeitigen 62,- Euro Prüfgebühr für eine Motorrad-HU erarbeitet werden. Freilich vom „Kunden“ erarbeitet; so benennt man unsereinen ja inzwischen tatsächlich sogar beim TÜV-Nord.

Der heute bei der TÜV-Station angetroffene Sachverständigen-Mensch war mir noch vom vorletzten Mal erinnerlich. Seinerzeit umgab ihn bereits der laue Hauch einer gewissen Mopped-Unbedarftheit … und heute … war’s nicht anders.

Der Herr war nett, ich Kunde ebenso; war es doch ein Leichtes, ihn nicht auf die vielen, am Bike geänderten Kleinigkeiten zu stoßen. Letztlich hätte ich dann mühsam eine ABE nach der nächsten aus meinem prallen Untersitzbank-Täschchen hervorkramen müssen.

Alles gut bis … ja, bis er zuletzt und hintenrum an das runde Schwarze in 180/55 kam.
Maßlich stand das so nicht mit dem Eintrag in der Zulassungsbescheinigung in Konformität; einem Profi fällt sowas natürlich sofort auf.
Da habe ich gleich mit der passenden „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ von Pirelli gewunken, um den Mann zufrieden zu stellen.

Von Zufriedenheit konnte alsbald jedoch keine Rede sein. Man(n) bestand darauf, dass die im Pirelli-Papier für die Bulldog typgenehmigte Reifengröße in Verbindung mit dem Angel ST unbedingt in die Zulassungspapiere eingetragen gehöre. Überhaupt schien dem Herrn Prüfer solche „Besohlungs-Bescheinigung“ eines Reifenherstellers quasi neu und er lehnte sich meinungsmäßig stur an den 1. Absatz der Typgenehmigung an:

Die angegebene Bereifung stimmt NICHT mit der Angabe in der Zulassungsbescheinigung Teil I,der Übereinstimmungs-Bescheinigung,der Datenbestätigung oder der Fahrzeuggenehmigung überein. Bei der Montage der Reifen liegt somit eine Änderung nach §19 Abs.2 StVZO vor.

Eine folgerichtige Interpretation des restlichen und gerade wichtigen Teil des Textes wurde gedanklich geflissentlich, gar sträflich unterbewertet:

Für den Reifentyp ist eine Typgenehmigung erteilt worden und eventuelle Einschränkungen in Bezug auf die Genehmigung des Fahrzeuges oder Einbauweisen, insbesondere die Anforderungen nach Kap.1, Anh. III der Richtlinie 97/24/EG, wurden geprüft. Entspricht das Fahrzeug ansonsten dem genehmigten Zustand, erlischt die Betriebserlaubnis nicht; eine Anbauabnahme ist nicht erforderlich (§19 Abs.3 Nr.2 StVZO). Eine Verpflichtung zur Änderung der Zulassungs-Bescheinigung besteht nicht (§13 Abs.1 iVm. Anl.5 – Zulassungsbescheinigung Teil I – Hinweis zu Feld 15.1 bis 15.3 FZV).

Schließlich hatte ich „die Faxen dicke“, nett war vorher, denn Unwissenheit schützt TÜVler vor’m angesäuerten Kunden nicht; der Prüfer wurde vehement zur Sachkundigmachung aufgefordert.
Nachdem ich den Herrn zu dieser Maßnahme kackdreist in sein Büro geleitete, gab der antelefonierte ferne Hauptsachverständige keine problemlösende Hilfestellung … also noch solch ein ausgereifter Nerd.

Alsdann schnell das eigene Handy gezückt und die „Notfallnummer“ von Pirelli angewählt. Nach Kurzschilderung der Situation kam ein „War klar, den geben sie mir mal“. Nach gefühlten 10 Minuten Gedankenaustausch zwischen Pirelli und Tüv-Nord (Echtzeit 4:25 Min.) kam endlich ein „Diese Neuerungen waren mir bisher unbekannt“ ( … Neuerungen, ja nee is klar… ) und ich hatte, genauso endlich, der Rest war nur Formsache, dem Manne die 62,- Euro verdient.

Die gegenseitige Verabschiedung gabs dann wieder „in leidlich nett und freundlich“ schließlich war und ist ja sonst alles gut – für 2 Jahre.